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Lernen neu gedacht!

Das 70:20:10 Modell

Das 70:20:10 Modell

Als Arbeitnehmer muss man sich ständig neuen Gegebenheiten und Anforderungen anpassen. Hier ein neues Computerprogramm, da ein neuer Arbeitsablauf und alles in möglichst kurzer Zeit natürlich. Damit dies in der Praxis auch immer so schnell umgesetzt werden kann, wie man sich es vorstellt muss auch die Weiterbildung der Mitarbeiter an die neuen Anforderungen angepasst werden. Ein altbewährtes Modell, das 70:20:10 Modell lässt sich auf diese Anforderungen anwenden und lässt außerdem zu, dass moderne Lernformen integriert werden können. Den Personalverantwortlichen bietet dieses Modell vor allem die Möglichkeit Personalentwicklungsmaßnahmen in den eigentlichen Arbeitsprozess einzugliedern.


Absoluter Trend: Informelles Lernen

Seien wir doch mal ehrlich: Wenn wir einen neuen Job antreten, der einige bislang unbekannte Arbeitsweisen von einem abverlangt, lernen wir die neues Programme oder Prozesse meistens nicht indem wir einen Kurs oder ein Seminar zu der unbekannten Thematik belegen. Das Wissen eignen wir uns zum Großteil von alleine an, indem wir an unserem Arbeitsplatz Aufgaben bearbeiten, Vorgänge wiederholen und uns in die Materie einarbeiten. Wir probieren Neues aus, nutzen gegeben falls das Internet für Anregungen oder fragen erfahrene Arbeitskollegen um Hilfe. Und so lernen wir Schritt für Schritt das erlernte in die Arbeitsaufgaben zu übertragen. Und genau diese Art des Lernens ist momentan sehr angesagt: Informelles Lernen. Heißt also, wie zuvor schon beschrieben, dass das Lernen ohne eine formale Anleitung oder durch einen Weiterbildungskurs stattfindet. Gelernt wird nur durch die tagtägliche Konfrontation, durch das Ausprobieren neuer Dinge, durch Wiederholungen und den Austausch mit Kollegen. Der Lernprozess findet nicht mehr isoliert von der eigentlichen Arbeit statt, sondern neues Wissen wird sich immer dann beschafft und angeeignet wenn es gerade benötigt wird.
Zusammenfassend bedeutet das: Die Aneignung neues Wissens ist ein elementarer Bestandteil der Arbeit. Dass es allerdings nicht ganz ohne formale, traditionelle Lehreinheiten geht zeigt das 70:20:10 Modell. Der perfekte Lern-Mix, der natürlich auch bei jeder Person variieren kann, wird erst durch ein gelungenes Zusammenspiel erreicht. Die Bezeichnung „traditionelle“ Lehreinheiten müssen natürlich nicht so betrachtet werden, dass traditionell das Wort „herkömmlich“ ersetzt. Vielmehr dürfen die formalen Lehreinheiten natürlich auch modern sein. Die Sprache ist von E-Learning-Einheiten, Blended-Learning-Formaten oder Web-Based-Trainings. Das besagte Modell hat seinen Ursprung in den 90er Jahren. Entworfen wurde es von Morgan McCall, Robert Eichinger und Michael Lombardo und erstmal angewendet im Jahre 2002 von Charles Jennings. Die Grundidee des 70:20:10 Modells ist in der nachfolgenden Grafik zu erkennen, die allerdings nicht als ein vorgeschriebenes Rezept verwendet werden soll. Vielmehr soll es die HR-Verantwortlichen dazu anregen, die Personalentwicklung aus einem veränderten Blickwinkel zu betrachten.


Demnach liefert das Modell den Anreiz, dass das Lernen durch drei verschiedene Komponenten geschieht. Mit 70% fällt der Großteil des Lernens auf die eigenständige Wissensbeschaffung ab. Man lernt also am besten, indem man praktische Aufgaben bewältigen muss, neues ausprobiert und die Vorgänge in der Praxis immer wieder wiederholt. 20% werden durch den Austausch mit Arbeitskollegen, Teammitgliedern oder Vorgesetzten gelernt. Unterschiedliche Sichtweisen und langjährige Erfahrungen spielen hier eine große Rolle. Der kleinste Part mit 10% fällt auf formale, traditionelle Lehreinheiten ab. Es wird bzw. sollte also nur ein minimaler Teil des Lernens mittels typischer Weiterbildungsangebote wie Seminare, Kurse oder durch elektronische Lehreinheiten geschehen. Demzufolge steigt die Bedeutung der Personalentwicklung und steht zeitglich vor einem Umbruch. Entscheidend sind in Zukunft nicht mehr die Ausarbeitung von Weiterbildungsangeboten oder E-Learning-Angeboten, das Augenmerk sollte vielmehr auf die Arbeits- also auch Lernumgebung gelegt werden. Der Arbeitsplatz sollte in Zukunft auch als Lernumgebung gesehen werden und den Mitarbeitern entsprechende Freiräume und Ruhe zum Reflektieren und Ausprobieren eingeräumt werden. Der Faktor Zeit stellt in diesem Zusammenhang eine große Problematik dar. Das Unternehmen verlangt den Mitarbeitern ab, dass sie sich möglichst schnell neues Wissen aneignen und die Arbeitnehmer benötigen wiederum zusätzliche Zeit um sich in neue Prozesse und Programme einzuarbeiten. Die HR-Verantwortlichen sollten hier ein Verbindungsglied der beiden Sichtweisen darstellen und entsprechend vermitteln.


Drei Schritte zum Erfolg

Eine elementare Aufgabe der Personalabteilung besteht also darin, ein Bewusstsein für die veränderten Lernanforderungen zu schaffen. Ganz im Sinne des 70:20:10 Modells sollten die bisherigen Prozesse umstrukturiert werden, damit das Unternehmen auch so schnell wie möglich von dem neu erlernten Wissen profitieren kann. Drei entscheidende Faktoren sind für diesen Erfolg ausschlaggebend:


  1. Das Bewusstsein schaffen: Nicht jedem ist bewusst, dass Lernen und Arbeiten nicht weit voneinander entfernt ist. Damit diese Umstrukturierung auch in allen Köpfen ankommt, sollte sie mit allen Mitarbeitern und Führungsverantwortlichen kommuniziert werden. Die Aneignung von Know-How sollte in Zukunft selbstgesteuert und eigenständig stattfinden. Eine gute Möglichkeit die Veränderungen in den Arbeitsalltag zu integrieren, ist es z.B. ein Lerntagebuch zu führen.

  2. Unterstützen Sie sich: Der Erfolg eines Unternehmens hängt zu einem großen Teil von den Leistungen der Mitarbeiter ab. Und an dem Unternehmenserfolg werden auch die Führungsverantwortlichen gemessen. Die Führungsebene kann nicht nur die entsprechenden Rahmenbedingungen für die formalen Lehreinheiten schaffen, sondern auch in den verbleibenden 80% mit Freiräumen und entsprechenden Voraussetzungen das informelle Lernen unterstützen.

  3. Chance für Personalentwickler: Bisher war die Personalentwicklung dafür zuständig die richtigen Weiterbildung Maßnahmen für die Mitarbeiter bereitzustellen. In Zukunft eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten, da sie den Lernprozess der Kollegen aktiv strategisch unterstützen können.

  4. Wie wir sehen soll in Zukunft das Lernen am Arbeitsplatz ganz nebenbei geschehen. Diese Möglichkeit bietet neben den Vorteilen natürlich auch Nachteile. Wichtig ist, dass das Bewusstsein für das veränderte Lernverhalten bei allen Beteiligten geschärft wird, damit aus den Veränderungen eine Chance wird und das Unternehmen zukünftig daraus profitiert.


Das meine-Seminare Team wünscht Ihnen eine schöne und erfolgreiche Woche!